Reptisland auf Kreta ein intensiver Familienausflug in die Welt der Reptilien

Anreise und erster Eindruck vor Ort

Für unseren Besuch in Reptisland haben wir bewusst nach einem Ziel gesucht, das wir vom Grecotel Luxme White Palace aus in deutlich unter 1,5 Stunden erreichen können, denn die Insel ist groß und wir wollten mit Kind keine zu langen Fahrzeiten einplanen. Reptisland liegt bei Melidoni im Hinterland von Rethymno und von unserem Hotel aus waren wir ungefähr 30 Minuten unterwegs, zunächst auf der Küstenstraße und dann in Richtung Inselmitte in eine eher abgelegene Gegend ohne große Ortschaften. Unterwegs gibt es so gut wie keine Hinweise darauf, dass man auf dem Weg zu Reptisland ist, erst kurz vor dem Ziel taucht ein kleines Straßenschild mit Pfeil auf, sodass man sich hier bestimmt nicht zufällig verfährt, sondern bewusst dorthin fahren muss.

Von außen wirkt das Gebäude eher unscheinbar und erinnert mehr an eine Zoohandlung als an eine klassische Attraktion, was unseren ersten Eindruck sogar noch spannender gemacht hat. Durch eine große Fensterscheibe sieht man schon von draußen ein erstes Terrarium und über dem Eingang prangt der Schriftzug Reptisland, vor der Tür stehen ein Tisch und ein paar Stühle, die den familiären Charakter sofort unterstreichen. Das Innere des etwa 250 Quadratmeter großen Reptilienzentrums ist komplett mit Terrarien und einigen Aquarien ausgefüllt und beherbergt mehr als 40 verschiedene Reptilienarten, unter anderem Schlangen, Echsen, Schildkröten und auch ein Krokodil.

Wir waren direkt zur Öffnung um 9 Uhr morgens dort und standen als erste Gäste vor der Tür, was sich schnell als Glückstreffer herausstellte. Der Inhaber begrüßte uns sehr freundlich auf Englisch, es war kein weiterer Besucher da und wir fühlten uns auf Anhieb herzlich und beinahe exklusiv willkommen, ohne Massentourismus und Gedränge.

Eintritt, Konzept und Rahmenbedingungen

Der Eintrittspreis liegt bei 5 Euro pro Erwachsenem, unser Kleinkind musste nichts bezahlen, was wir für das, was einen erwartet, als sehr günstigen Preis empfunden haben. Reptisland ist ein kleiner, inhabergeführter Betrieb, der nach aktuellen Angaben an sechs Tagen in der Woche von Montag bis Samstag von 9 bis 16 Uhr öffnet und sonntags geschlossen bleibt. Die Anlage gilt als familienfreundliche Attraktion, in der Besucher nicht nur schauen und fotografieren, sondern viele Reptilien auch anfassen und halten dürfen, wobei der Inhaber großen Wert auf Erklärungen und einen respektvollen Umgang mit den Tieren legt.

Wir hatten ursprünglich erwartet, einfach Eintritt zu zahlen und uns dann selbst durch die Terrarien zu bewegen, so wie man es von vielen Zoos oder Aquarien kennt. Stattdessen erklärte uns der Besitzer direkt nach dem Bezahlen, dass er gleich vorne mit uns eine Tour starten wird, was uns zunächst überraschte, sich dann aber als genau das auszahlte, was den Besuch so besonders gemacht hat. Man spürt bei ihm vom ersten Moment an, dass er Reptisland mit sehr viel Herz, Fachwissen und Leidenschaft führt und seine Tiere nicht nur ausstellt, sondern seine Begeisterung für sie wirklich weitergeben möchte.

Freilaufende Riesenschildkröte und erste Begegnungen

Noch bevor es richtig losging, zog eine Bewohnerin die ganze Aufmerksamkeit unseres Sohnes auf sich, nämlich eine frei im Raum laufende Galapagos Riesenschildkröte, die unbeeindruckt ihre Runden entlang der Terrarien drehte. Unser Kind rannte begeistert hinterher und durfte die Schildkröte immer wieder vorsichtig streicheln, was allein schon ein großes Highlight für ihn war und uns direkt das Gefühl gegeben hat, dass Kinder hier sehr willkommen sind.

Kurz darauf holte der Inhaber aus einem der Terrarien den ersten offiziellen Gast für uns heraus, einen Bartagamen also eine Bearded Dragon und setzte ihn auf seine Hand, während er uns in gut verständlichem Englisch alles Wichtige zu Herkunft, Lebensweise und Haltung erklärte. Danach durften wir den Bartagamen selbst auf die Hand nehmen und in Ruhe anschauen und streicheln, wobei keine Hektik aufkam und wir das Tier so lange halten konnten, wie es für uns angenehm war. Für Menschen, die sonst kaum Berührungspunkte mit Reptilien haben, ist das eine besondere Erfahrung, weil man plötzlich sehr bewusst merkt, wie sich Schuppen, Bewegungen und auch das Gewicht eines solchen Tieres tatsächlich anfühlen.

Von der ersten Schlange bis zur Königspython

Nach dem Bartagamen folgte die erste Schlange, die der Inhaber ebenfalls aus einem Terrarium nahm und uns erst ausführlich vorstellte, bevor er fragte, wer sie halten möchte. Die Schlange war relativ klein und wir erfuhren unter anderem etwas zu Art, Herkunft, Ernährung und Verhalten, sodass das Tier nicht anonym blieb, sondern einen Kontext bekam. Ich nahm die Schlange schließlich in die Hände und spürte zum ersten Mal in meinem Leben direkt auf der Haut, wie sich eine Schlangenhaut anfühlt, was überraschend angenehm und gar nicht so kalt oder glitschig war, wie man sich das vielleicht vorstellt.

Im weiteren Verlauf der Tour zeigte uns der Inhaber seine älteste Schlange, die er bereits als Teenager mit 14 Jahren bekommen hat und die inzwischen 22 Jahre alt ist, was eindrucksvoll zeigt, wie lange er sich schon mit Reptilien beschäftigt. Man merkt ihm bei jeder Erklärung an, dass er seine Tiere genau kennt und eine enge Bindung zu ihnen hat, was den Besuch sehr authentisch und vertrauenswürdig macht. Ich durfte auch diese Schlange halten und irgendwann fasste sich sogar meine Verlobte ein Herz und nahm die Schlange auf die Hände, obwohl sie sich zuerst nicht so recht getraut hatte.

Auf die kleineren Arten folgten deutlich größere Vertreter, etwa eine kräftige Königspython, die ich anfangs auf keinen Fall tragen wollte, die aber wenige Minuten später doch auf meinen Armen lag und deren Gewicht einen deutlichen Unterschied zu den vorherigen Schlangen machte. Der Inhaber erklärte uns dabei beruhigend, dass er ausschließlich Würgeschlangen halte und keine giftigen Arten mit Giftzähnen, was zumindest ein Stück weit Sicherheit gibt, auch wenn man sich bewusst ist, dass ein Würgegriff ebenfalls kein angenehmes Erlebnis wäre.

Der spektakulärste Moment war eine Königspython als Albino, die ich zunächst in den Händen hatte, bevor der Besitzer fragte, ob ich sie mir auch auf die Schultern legen lassen möchte. Obwohl mir bei dem Gedanken an eine Würgeschlange so nah am Hals kurz mulmig wurde, vertraute ich auf seine Erfahrung und ließ mir das Tier auflegen, das sich anschließend um meinen Hals und Oberkörper bewegte und sich zwischendurch etwas enger anfühlte. Auf Fotos sieht man mir diesen Moment sehr deutlich an, aber die Schlange hatte keinen Grund, wirklich zu würgen, sie erkundete nur ihre Umgebung und nach kurzer Zeit konnte ich die Situation ruhig genießen und diesen Punkt auf meiner persönlichen Bucketliste abhaken.

Chamäleon, Krokodil, Leguan und viele Hintergrundinfos

Nach den Schlangen folgte ein Chamäleon, das der Inhaber mir auf die Hand setzte und das mich direkt an den Animationsfilm Rango erinnerte, weil es optisch beinahe eins zu eins so aussah. Auf meine Bemerkung dazu meinte er, dass genau diese Tierart als Vorlage für den Film gedient hat, was die Verbindung noch einmal witziger machte. Während er uns das Tier erklärte, entdeckte er eine Fliege an einer Scheibe, führte meine Hand mit dem Chamäleon in deren Nähe und wir beobachteten aus nächster Nähe, wie die Chamäleon Zunge blitzschnell zuschnappte und sich das Insekt schnappte, was unser Kind genauso faszinierte wie mich selbst.

Nachdem die erste Fliege gefressen war, suchte ich direkt nach weiteren, bis das Chamäleon sichtlich satt wirkte und keine Lust mehr auf Nachschlag hatte, was zu den vielen kleinen Momenten gehört, die diesen Besuch so lebendig gemacht haben. Neben den Tieren, die wir halten durften, zeigte uns der Inhaber noch weitere Bewohner wie ein Krokodil und einen großen Leguan, zu denen er ebenfalls interessante Geschichten und Fakten parat hatte. An nahezu jedem Terrarium klebt ein QR Code, der zu einem passenden Wikipedia Eintrag führt, sodass man sich bei Bedarf noch tiefer in die jeweilige Art einlesen kann, was den Besuch auch aus technischer und informationsorientierter Sicht sehr rund macht. Alles wirkte sehr sauber, gut gepflegt und durchdacht, von den Gehegen bis hin zur Beschilderung.

Atmosphäre, Familie und kleine Details am Rande

Der gesamte Besuch dauerte bei uns ungefähr ein bis eineinhalb Stunden, in denen wir uns nie gehetzt fühlten und der Inhaber uns mit viel Ruhe durch seine kleine Reptilienwelt geführt hat. Zwischendurch kam seine Mutter herein, die er herzlich begrüßte und umarmte, was die familiäre Atmosphäre noch stärker spürbar gemacht hat und uns zeigte, dass hier kein anonymer Freizeitbetrieb, sondern ein echtes Familienunternehmen hinter den Kulissen steht.

Unser Sohn durfte sich am Ende im kleinen Verkaufsbereich noch ein Kuscheltier und eine Schneekugel aussuchen, was für ihn die perfekte Abrundung des Ausflugs war. Da wir den Eintrittspreis für dieses sehr persönliche und intensive Erlebnis als ausgesprochen günstig empfanden, haben wir beim Bezahlen der Souvenirs gern zusätzlich Trinkgeld gegeben. Als wir den Laden mit einem sehr guten Gefühl verließen, trafen die nächsten Gäste ein und wir konnten ihnen mit breitem Grinsen einen schönen Besuch wünschen, weil wir genau wussten, was sie gleich erwartet.

Fazit und Tipps für deinen eigenen Besuch in Reptisland

Reptisland ist für uns ein Paradebeispiel dafür, wie viel man aus einer vergleichsweise kleinen Fläche von rund 250 Quadratmetern herausholen kann, wenn Herzblut, Fachwissen und Liebe zu den Tieren zusammenkommen. Wer bereit ist, sich auf die Welt der Reptilien einzulassen, bekommt hier nicht nur eine Reihe von Terrarien zu sehen, sondern erlebt Schlangen, Echsen, Schildkröten und Co aus nächster Nähe und teilweise direkt auf der eigenen Hand oder Schulter, immer begleitet von einem sehr engagierten Inhaber. Für Familien mit Kindern, die sich für Tiere interessieren oder vielleicht ein wenig Berührungsängste abbauen wollen, ist dieser Ausflug aus unserer Sicht ein absolut lohnendes Ziel, das sich zeitlich gut mit anderen Stationen in der Region Melidoni kombinieren lässt, etwa mit der Melidoni Höhle.

Unser Tipp wäre, möglichst direkt zur Öffnung zu kommen, um die Chance auf eine kleine, sehr persönliche Tour zu erhöhen und in Ruhe Fotos machen zu können. Wer mit Mietwagen auf Kreta unterwegs ist, erreicht Reptisland von vielen Hotels an der Nordküste im Raum Rethymno innerhalb von 30 bis 60 Minuten und sollte sich von der unscheinbaren Außenansicht nicht täuschen lassen, denn das eigentliche Erlebnis beginnt hinter der Tür. Für uns war der Vormittag in Reptisland eine perfekte Mischung aus Lerneffekt, leichtem Nervenkitzel und herzlicher Gastfreundschaft und wir können jedem Kreta Urlauber nur empfehlen, sich dieses kleine Reptilienuniversum selbst anzuschauen.

Über den Autor

Ich bin Chris, ein leidenschaftlicher Blogger, der gerne Geschichten aus Technik, Kultur und Alltag erzählt – immer mit einem Hauch Kreativität und Humor. Als IT-Administrator bringe ich fachliches Know-how ein, während meine Hobbys wie Fotografie, Drohnenfliegen und Naturerkundungen für vielseitige Perspektiven sorgen. Besonders liebe ich es, persönliche Erlebnisse und nostalgische Erinnerungen mit aktuellen Themen zu verbinden. Gemeinsam mit meiner Familie lebe ich in Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern, und teile meine Sicht auf die Welt – mal nachdenklich, mal unterhaltsam, aber immer authentisch.

R_ace_R Ich bin (G)root!

Kommentare

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!