Clair Obscur: Expedition 33 – Wenn ein grandioses Kampfsystem und fantastische Grafik nicht alles retten können

Hype, Release und Erfolg

Clair Obscur: Expedition 33 wurde am 24. April 2025 für PC über Steam und Epic Games Store sowie für PlayStation 5 und Xbox Series X|S veröffentlicht. Entwickelt wurde der Titel vom französischen Studio Sandfall Interactive, einem kleinen unabhängigen Team aus Montpellier, das 2020 gegründet wurde und sich bewusst auf hochwertige Einzelspieler Erfahrungen mit starkem Story Fokus konzentriert. Als Engine kommt Unreal Engine 5 zum Einsatz, was schon im Vorfeld durch Trailer und Preview Videos für Aufmerksamkeit gesorgt hat.

Komplett unterschätzt wurde von vielen, wie gut dieser Mix beim Publikum ankommen würde. Bereits sehr kurz nach Release knackte das Spiel hohe Verkaufszahlen, bis Oktober 2025 meldeten Studio und Publisher über fünf Millionen verkaufte Exemplare weltweit auf PC und Current Gen Konsolen. Für einen vergleichsweise kleinen Entwickler mit rund 30 Kernentwicklern, die sich zusätzlich mit externen Partnern unterstützt haben, ist das ein beeindruckender Erfolg und zeigt, dass hochwertige AA Produktionen zwischen typischen Indie Projekten und klassischen AAA Produktionen durchaus ihren Platz haben.

Erster Eindruck und Kaufentscheidung

Natürlich bin auch ich durch den Hype neugierig geworden und habe mir zunächst diverse Let us Plays, Gameplay Videos und Technik Analysen angesehen. Schon dort war klar zu erkennen, dass die grafische Präsentation weit über dem liegt, was man von einem so kleinen Team standardmäßig erwarten würde. Die detailverliebten Umgebungen, das stimmige Licht und die realitätsnahen Materialien sahen auf Anhieb nach einem Titel aus, für den sich ein performanter Gaming PC lohnt.

Trotzdem hat mich das grundsätzliche Setting mit den Figuren, Gegnerdesigns und dem Ablauf des Gameplays anfangs nicht direkt abgeholt. Mein Bauchgefühl sagte zuerst, dass dies vielleicht einfach nicht mein Genre ist, weshalb ich mich zu dem Zeitpunkt lieber weiter mit anderen Spielen wie Kingdom Come 2 beschäftigt habe. Erst als Clair Obscur: Expedition 33 bei den großen Preisverleihungen abgeräumt hat und von vielen Seiten zu hören war, dass man dieses Abenteuer unbedingt erlebt haben sollte, bin ich schwach geworden und habe mir einen günstigen Key für etwas über zwanzig Euro geholt. Danach lag das Spiel allerdings noch einige Monate unangetastet in meiner Bibliothek, bevor ich es Anfang des neuen Jahres endlich ernsthaft gestartet habe.

Technik, Grafik und Atmosphäre auf dem PC

Wenn es um die optische und technische Umsetzung geht, liefert Clair Obscur: Expedition 33 ab der ersten Minute. Die Welt ist extrem fantasievoll, mit liebevoll gestalteten Stadtbildern, monumentalen Bauwerken und fein ausgearbeiteten Innenräumen, die wie eingefrorene Szenen einer aufwendig inszenierten Theaterbühne wirken. Der Einsatz von Beleuchtung, Partikeleffekten und Materialien bringt die Stärken von Unreal Engine 5 deutlich zur Geltung und lässt die Welt sehr hochwertig und modern erscheinen.

Auf meinem PC mit einer RTX 5090 fordert das Spiel die Hardware tatsächlich spürbar und nutzt die Leistung so, dass das Ergebnis auf dem Bildschirm diesen Aufwand sichtbar rechtfertigt. Für jemanden, der sich bewusst ein High End System zugelegt hat, ist das ein wichtiger Punkt, denn nichts ist enttäuschender, als wenn neue Hardware nur gelangweilt vor sich hin werkelt. Größere technische Probleme, Abstürze oder gravierende Bugs sind mir im gesamten Durchlauf kaum begegnet, was in Zeiten von teilweise katastrophalen Launch Zuständen anderer Produktionen durchaus erwähnt werden sollte.

Ein kleiner Wermutstropfen ist für mich das Haar Rendering der Charaktere. Rein optisch sehen die Frisuren auf den ersten Blick sehr gut aus, können sich aber nicht sauber vom weichgezeichneten Hintergrund lösen. Dadurch entsteht in manchen Szenen ein etwas unnatürlich wirkender Übergang, der mir relativ früh aufgefallen ist und den ich im weiteren Verlauf leider immer wieder bewusst wahrgenommen habe. Das ist Jammern auf hohem Niveau, zeigt aber, dass die Präsentation trotz des beeindruckenden Gesamtbildes nicht in jeder Einzelheit perfekt wirkt.

Soundtrack und emotionale Wirkung

Deutlich positiver ist mein Eindruck beim Soundtrack und der musikalischen Untermalung. Die Musik bleibt ungewöhnlich stark im Gedächtnis und trägt einen großen Teil zur Atmosphäre bei. In ruhigen Momenten unterstreichen die Stücke die Melancholie und Zerbrechlichkeit der Welt, während in Kämpfen und dramatischen Szenen intensive Orchesterpassagen für Spannung und Dringlichkeit sorgen.

Durch diese Kombination aus Bild und Ton gelingt es dem Spiel immer wieder, emotionale Momente zu erzeugen, in denen man sich sehr nah an den Figuren und ihren Konflikten fühlt. Gerade wer für dichte, musikalisch untermalte Szenen empfänglich ist, wird hier viel geboten bekommen. Die audiovisuelle Seite gehört aus meiner Sicht ganz klar zu den größten Stärken von Clair Obscur: Expedition 33.

Story, Welt und persönliche Distanz

Storygetriebene Spiele funktionieren für mich am besten, wenn ich trotz aller Fantasie Elemente einen gewissen Realismus und Bezug zur eigenen Welt spüre. Die Grundidee von Clair Obscur: Expedition 33 dreht sich um eine Welt, die dem Untergang geweiht ist, und eine Expedition, die versucht, das scheinbar Unvermeidliche aufzuhalten. Dieser Ausgangspunkt ist stark und bietet viel Potenzial für Drama, Verzweiflung und Hoffnung.

Schwieriger wurde es für mich bei der konkreten Ausgestaltung der Welt und der Wesen, die sie bevölkern. Viele Gegnerdesigns und Figuren wirken sehr abstrakt und entfremdet, Menschen schweben oder teleportieren sich zwischen Felsen und Plattformen, und nicht immer war mir klar, ob ich mich auf der Erde oder auf einem völlig anderen Planeten befinde. Wenn es ein fremder Planet ist, stellt sich die Frage, warum dort Menschen in dieser Form leben, und wenn es doch eine alternative Version der Erde sein soll, fehlt mir stellenweise die innere Logik.

Zwar führt das Spiel Schritt für Schritt an die Hintergründe der Welt und der Expedition heran und setzt auf emotionale Storybeats, aber ich hatte dennoch dauerhaft einige Fragezeichen im Kopf. Erst durch zusätzliche Recherche und Erklärungen im Netz konnte ich mir manche Zusammenhänge besser erschließen. Für Spielerinnen und Spieler, die genau diese Art von abstrakter Fantasy mit fremdartigen Kreaturen und traumartigen Welten lieben, dürfte das ein Highlight sein. Für mich persönlich hat diese Distanz jedoch verhindert, dass ich vollständig in der Geschichte aufgegangen bin.

Das Hybrid Kampfsystem als zweischneidiges Schwert

Spielmechanisch steht ganz klar das Kampfsystem im Mittelpunkt. Clair Obscur: Expedition 33 setzt auf ein Hybrid Modell aus rundenbasierten Entscheidungen und Echtzeit Elementen, das von klassischen JRPGs wie Final Fantasy und Persona inspiriert ist und gleichzeitig Mechaniken aus actionorientierten Titeln wie Sekiro aufgreift.

Die Kämpfe laufen grundsätzlich rundenbasiert ab, mit einem sichtbaren Reihenfolgebalken, der anzeigt, wann welcher Charakter oder Gegner an der Reihe ist. In den eigenen Zügen wählt man normale Angriffe oder Fähigkeiten, die Aktionspunkte verbrauchen oder generieren. Viele Angriffe werden anschließend durch kurze Quick Time Events ergänzt, bei denen präzises Timing zusätzlichen Schaden, mehr Aktionspunkte oder stärkere Effekte ermöglicht.

Spannend wird es besonders in den gegnerischen Zügen. Hier kommt ein stark reflexbasiertes Element ins Spiel, denn anstatt einfach passiv Treffer zu kassieren, können Angriffe aktiv durch Ausweichmanöver oder perfekt getimte Paraden negiert werden. Ein gut gesetzter Parry eröffnet Konterfenster und bringt zusätzliche Ressourcen, ist aber deutlich schwerer zu treffen als ein einfacher Dodge. Gerade in Bosskämpfen wird diese Mechanik nahezu obligatorisch, wenn man nicht gnadenlos überrollt werden möchte.

Lernkurve, Abwechslung und Überforderung

Ich musste mich an dieses Kampfsystem erst einmal gewöhnen, habe aber überraschend schnell hineingefunden. Im Vergleich zu vielen Spielen, die ich sonst bevorzugt spiele, ist der Mix aus Planung, Reaktion und Timing deutlich komplexer und herausfordernder. Anfangs habe ich mich dennoch auf jede neue Auseinandersetzung gefreut, weil es Spaß gemacht hat, neue Angriffsmuster zu lernen und die eigenen Möglichkeiten optimal auszureizen.

Mit der Zeit offenbart das System jedoch auch seine Schattenseiten. Trotz der vielen unterschiedlichen Gegnertypen, Fähigkeiten und Optionen hatte ich oft das Gefühl, dass der grundlegende Ablauf stark vorhersehbar wird. Häufiges Schema: ein Stück laufen, ein Kampf, wieder ein kurzes Stück laufen, erneut ein Kampf und danach eine Zwischensequenz. Diese starre Abfolge nutzt sich im Verlauf der Spielzeit ab und ließ das Erlebnis stellenweise repetitiver wirken, als es sein müsste.

Hinzu kommt, dass viele Kämpfe direkt hintereinander stattfinden, was die Spannungskurve nicht immer ideal dosiert. Die eigentliche Herausforderung konzentriert sich sehr stark auf die Kämpfe selbst, während das Erkunden und Finden von Items oft wenig überraschend und fast schon zu klar erkennbar ist. Die Balance zwischen forderndem Kampfsystem und abwechslungsreicher Umgebungsausgestaltung hätte aus meiner Sicht besser gelingen können.

Schwierigkeitsgrad, Frustmomente und lange Kämpfe

Ein weiterer Kritikpunkt ist der Schwierigkeitsgrad. Bereits auf den Standard Einstellungen ist Clair Obscur: Expedition 33 kein leichtes Spiel. Im späteren Verlauf habe ich die Schwierigkeit sogar auf den Story Modus reduziert, weil mir die Kämpfe teilweise zu sehr auf die Nerven gegangen sind. Trotzdem war ich noch häufig ordentlich gefordert und musste in vielen Situationen einen ersten Versuch nutzen, um die Angriffschoreografien und Muster eines Gegners überhaupt zu verstehen.

Besonders frustrierend sind lange Bosskämpfe, in denen man nach einem scheinbar erfolgreichen Endspurt davon ausgeht, den Gegner endlich bezwungen zu haben, nur um dann mit einer erneuten vollen Lebensleiste konfrontiert zu werden. Solche Phasen können zwar erzählerisch begründet sein, fühlen sich spielerisch jedoch häufig nach künstlicher Streckung an. Wenn sich so eine Situation nach einem ohnehin schon intensiven Kampf wiederholt, kippt die Motivation schnell in Frust.

Trotz all dessen habe ich mich bis zum Ende der Geschichte durchgebissen. Aus spielmechanischer Sicht erkenne ich absolut an, wie ausgefeilt und mutig dieses Kampfsystem ist und warum es von vielen Fans gefeiert wird. Für mich persönlich hat diese Form von fordernder, stark auf Timing und Reaktion ausgelegter Rundenstrategie jedoch bewiesen, dass es wohl mein letzter Ausflug in genau diese Nische gewesen sein dürfte.

Persönliche Gesamtwertung der Story Reise

Trotz meiner Kritikpunkte gab es durchaus viele emotionale und schöne Momente, die ich aus der Geschichte mitgenommen habe. Die Figuren sind mit spürbarer Hingabe geschrieben und vertont, und die Inszenierung wichtiger Schlüsselszenen profitiert enorm von der audiovisuellen Qualität des Spiels. Ich konnte mich jedoch nie dauerhaft so sehr mit der Welt und ihren Regeln identifizieren, dass ich komplett in ihr versunken wäre.

Clair Obscur: Expedition 33 ist für mich ein Spiel, das sehr klar zeigt, wie stark subjektiv Genre Vorlieben darüber entscheiden, ob ein Titel als Meisterwerk oder als anstrengende Erfahrung wahrgenommen wird. Fans von komplexen, hybriden Kampfsystemen, abstrakten Fantasy Welten und emotional aufgeladenen Stories werden hier wahrscheinlich ein Spiel des Jahres finden. Wer hingegen eher bodenständige Settings, nachvollziehbare Physik und etwas weniger experimentelle Gegnerdesigns bevorzugt, sollte den Hype etwas nüchterner betrachten.

Clair Obscur auf dem Steam Deck

Neben dem stationären PC spiele ich gerne zwischendurch auf dem Steam Deck weiter, zumal die Cloud Spielstände den Wechsel zwischen Schreibtisch und Couch angenehm unkompliziert machen. Auf dem Papier klingt Clair Obscur: Expedition 33 dafür geeignet, zumal das Spiel offiziell als verifiziert geführt wird. In der Praxis kann ich das Steam Deck Setup allerdings nur sehr eingeschränkt empfehlen.

Es gibt zwar eine eigens vorgesehene Grafik Preset Konfiguration für das Deck, und rein funktional lässt sich das Spiel darauf absolvieren. Im direkten Vergleich zur PC Version sieht die Präsentation jedoch deutlich verwaschener und unschärfer aus, was dem ansonsten so beeindruckenden Art Design nicht gerecht wird. Noch gravierender sind für mich die Bildraten: In weniger anspruchsvollen Szenen sind um die fünfundzwanzig Bilder pro Sekunde möglich, sobald jedoch mehr Effekte, Partikel und aufwendige Umgebungen ins Spiel kommen, brechen die Frames spürbar ein.

Gerade in einem Spiel, in dem präzises Timing für Ausweich und Parierbewegungen im Kampf entscheidend ist, sind Einbrüche auf Werte um die achtzehn Bilder pro Sekunde alles andere als ideal. Das beeinträchtigt den Spielfluss und führt in brenzligen Situationen schnell zu vermeidbaren Treffern und entsprechendem Frust. Für mich ist Clair Obscur: Expedition 33 auf dem Steam Deck eher eine Notlösung für Zwischendurch, aber definitiv nicht die empfohlene Hauptplattform.

Fazit: Für Fans ein Muss, für mich ein einmaliges Experiment

Clair Obscur: Expedition 33 vereint beeindruckende Technik, eine starke audiovisuelle Präsentation und ein sehr mutiges Kampfsystem, das rundenbasierte Strategie mit Echtzeit Reflexen auf anspruchsvolle Weise kombiniert. Gleichzeitig zeigt das Spiel aber auch, wie sehr persönliche Vorlieben in Bezug auf Setting, Schwierigkeitsgrad und Spielfluss darüber entscheiden, ob man ein Werk dieser Art liebt oder sich eher durchkämpft.

Aus technischer Sicht und als Projekt eines kleinen, engagierten Studios ist Clair Obscur: Expedition 33 ein bemerkenswerter Erfolg, der völlig zu Recht viele Auszeichnungen und starke Verkaufszahlen einfahren konnte. Für mich persönlich bleibt es dennoch ein Titel, den ich respektiere, aber nicht rückblickend als Lieblingsspiel einordnen würde. Wer mit den genannten Kritikpunkten leben kann oder im Gegenteil genau nach so einer Art von Erfahrung sucht, sollte dem Spiel unbedingt eine Chance geben – allerdings idealerweise auf einem potenten PC und nicht auf dem Steam Deck.

Über den Autor

Ich bin Chris, ein leidenschaftlicher Blogger, der gerne Geschichten aus Technik, Kultur und Alltag erzählt – immer mit einem Hauch Kreativität und Humor. Als IT-Administrator bringe ich fachliches Know-how ein, während meine Hobbys wie Fotografie, Drohnenfliegen und Naturerkundungen für vielseitige Perspektiven sorgen. Besonders liebe ich es, persönliche Erlebnisse und nostalgische Erinnerungen mit aktuellen Themen zu verbinden. Gemeinsam mit meiner Familie lebe ich in Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern, und teile meine Sicht auf die Welt – mal nachdenklich, mal unterhaltsam, aber immer authentisch.

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