Meeresmuseum Stralsund: Ein emotionales Wiedersehen nach der großen Modernisierung

Die lange Zeit des Wartens war endlich vorbei

Das Meeresmuseum Stralsund war deutlich länger geschlossen als ursprünglich geplant. Was mit einem geplanten Umbau begann, entwickelte sich zu einem fast fünfjährigen Projekt. Nach vier Jahren intensiver Bauarbeiten mit technischen Herausforderungen und enormen Kosten von über 50 Millionen Euro öffnete das Museum endlich wieder seine Türen. Die Gründe für die langen Verzögerungen waren vielfältig: steigende Materialkosten nach der Corona-Pandemie, die Folgen des Krieges in der Ukraine und sogar ein Cyberangriff auf die Stiftung verzögerten das Projekt immer wieder. Doch dieser Aufwand scheint sich gelohnt zu haben, denn das Museum erstrahlt nun in neuem Glanz.

Der erste Eindruck, den ich beim Betreten hatte, war überwältigend. Der Unterschied zur früheren Ausstellung war deutlich zu sehen. Alles wirkt moderner, heller und besser strukturiert. Gleichzeitig haben es die Macher geschafft, die historische Essenz des Museums zu bewahren. Es ist kein steriles, hochmodernes Ausstellungshaus geworden, sondern ein lebendiger Ort mit Seele. Man merkt an jedem Detail, dass sich hier Menschen viel Mühe gegeben haben.

Erinnerungen und Preis: Eine Frage der Nostalgie

Mit meiner Frau und unserem zweijährigen Sohn zahlten wir pro Erwachsener 20 Euro Eintritt. Kinder bis einschließlich drei Jahren gehen kostenlos ins Museum – immerhin ein positiver Punkt für Familien mit kleinen Kindern. Mit diesen Preisen bewegt sich das Meeresmuseum definitiv auf hohem Niveau. Es ist ein touristisches Highlight für Stralsund, und diese Tatsache spiegelt sich leider auch in der Ticketing-Politik wider. Für Großstadtbewohner mag dieser Preis akzeptabel sein, aber es ist kaum möglich, das Museum regelmäßig als Familie zu besuchen.

Der hohe Eintrittspreis machte sich für uns allerdings weniger bemerkbar, da wir mit einem Gutschein bezahlt haben. Trotzdem fragte ich mich: Lohnt sich der Preis wirklich? Nun, nach dem Besuch kann ich diese Frage mit ja beantworten. Die neuen Aquarien sind beeindruckend, und die Ausstellungen sind gehaltvoller geworden. Gleichzeitig muss ich ehrlich sagen, dass es eine große Herausforderung ist, das Museum mit kleinen Kindern zu besuchen, die jeden Zentimeter des Museums erforschen möchten. Mein Sohn genoss zwar seinen freien Eintritt immens, aber die Informationsfülle der Ausstellungen entging uns größtenteils. Die alten Ausstellungen zu Schiffen, Seefahrt und Fischerei sind nach wie vor sehr interessant und informativ. Um diese jedoch wirklich zu genießen und zu verstehen, sollte man das Museum eher ohne oder mit älteren Kindern besuchen.

Das legendäre Finnwalskelett – Ein Symbol der Kontinuität

Das erste, das ich nach dem Betreten des Museums suchte, war das Skelett des Finnwals. Es war schon zu meiner Kindheit das Wahrzeichen des Museums und hängt noch immer unter der beeindruckenden Decke des Katharinenkloster. Dieses monumentale Skelett, das 1825 an der Westküste Rügens strandete, wurde 1968 dem Museum übergeben und ist seit 1974 eine der Hauptattraktionen. Nach der Modernisierung wurde es komplett restauriert und mit einer neuen, modernen Aufhängung versehen. Dadurch wirkt der Wal noch majestätischer als früher, als würde er gerade abtauchen.

Finnwalskelett – Das Herzstück des Meeresmuseums Stralsund

Die neuen Aquarien: Ein technisches Meisterwerk

Das absolute Highlight der Modernisierung sind zweifellos die neuen Aquarien. Insgesamt 31 Becken mit 1,4 Millionen Litern Wasser bilden nun den neuen Aquarienrundgang. Das beeindruckendste davon ist das Karibik Becken. Mit 800.000 Litern Wasser, einer acht Meter hohen und 53 Zentimeter dicken Glasscheibe aus Japan und 28 Tonnen Meersalz stellt dieses Becken ein karibisches Riff dar. Die riesigen Glasscheiben für dieses Becken kamen aus Japan und wiegen zusammen 60 Tonnen. Die technische Planung und der Aufbau dieses Beckens waren so schwierig, dass die NDR sogar eine Dokumentation über die Arbeiten gedreht hat. Die moderne Infrastruktur hinter den Kulissen ist beeindruckend, doch als Besucher merkt man vor allem eines: Die Atmosphäre der Aquarien ist wunderbar. Die Räume und Gänge sind dunkel gehalten, wirken aber nicht beängstigend, sondern atmosphärisch gelungen. Man kann sich Zeit nehmen und die Wasserwelten wirklich genießen. Das karibische Riff im Besonderen lädt dazu ein, länger zu verweilen und die Vielfalt der tropischen Meeresbewohner zu bestaunen.

Frieda und Käte: Die Stars des Museums und ihre dunklen Jahre

Natürlich waren die Meeresschildkröten Frieda und Käte meine größten Stars des Tages. Frieda kam 2003 ins Museum und wiegt 115 Kilogramm bei einer Panzerlänge von 119 Zentimetern. Käte hingegen ist eine lebende Legende: Sie ist seit 1986 – das sind über 40 Jahre – Bewohnerin des Museums und wiegt 90 Kilogramm. Käte zu sehen war wie ein Wiedersehen mit einer alten Freundin. Beide Schildkröten sind faszinierend anzuschauen. Man kann ihnen stundenlang beim Schwimmen zusehen.

Doch es gibt auch einen traurigen Aspekt in ihrer Geschichte. Während der fast fünf Jahre Umbauzeit mussten beide Schildkröten in temporären, dunklen Kellerbecken leben. Diese Information hat mir wirklich zu denken gegeben. Es ist wohl die schwärzeste Seite dieses ansonsten so erfreulichen Modernisierungsprojekts. Umso schöner ist es, dass sie nun wieder einen besseren Lebensraum haben und in modernen Becken mit natürlichem Licht und besseren Bedingungen leben können.

Frieda auf dem Meeresboden – Die grüne Schildkröte in ihrer natürlichen Haltung Käte – Die älteste Bewohnerin des Museums im Porträt

Alles andere, das das Museum zu bieten hat

Die Ausstellungen zu Schiffen, Seefahrt und Fischerei kenne ich noch aus meiner Kindheit. Sie sind nach wie vor sehr interessant und informativ aufbereitet. Ein neues Highlight ist der liebevoll nachgebaute Fischverkaufsstand. Er sieht überraschend realistisch aus und zeigt auf anschauliche Weise, wie die Fische vom Fang bis zur Auslage verarbeitet werden. Dies ist Teil einer größeren thematischen Station, die zeigt, wie Fisch vom Meer auf den Tisch kommt. Besonders fasziniert haben mich auch die Ausstellungen über die Megalodon Zähne – diese prähistorischen Haie bleiben einfach immer beeindruckend.

Ein neues interaktives Element ist der leuchtende Globus in der Ausstellungshalle. Dieser ersetzt teilweise das alte Modell, das mich als Kind so fasziniert hat, als man noch mit Knöpfen die Meere zum Leuchten bringen konnte. Die neue Projektion ist technisch beeindruckend und gibt einen guten Überblick über die Meereswelten unseres Planeten.

Der leuchtende Globus – Herzstück der modernen Ausstellung

Das Gästebuch: Vielfältige Meinungen

Kurz vor dem Ausgang warf ich einen Blick in das Gästebuch des Museums. Die Einträge offenbarten eine bemerkenswerte Vielfalt von Meinungen. Einige Besucher äußerten sich begeistert positiv über die Neugestaltung. Andere, die das Museum aus ihrer Kindheit kannten, merkten an, dass sie bestimmte Objekte vermissten – wie den interaktiven Globus mit den Knöpfen oder die Harpune. Wieder andere schrieben direkt kritisch auf, dass die Becken für die Tiere viel zu klein seien und das Ganze Tierquälerei darstelle.

Diese Kritik ist nicht unbegründet. Wer ein Museum wie das Meeresmuseum besucht, sollte sich jedoch bewusst machen, dass artgerechte Tierhaltung in Gefangenschaft kaum möglich ist, wie sie in der freien Natur stattfindet. Das ist ein Zielkonflikt, den jeder Besucher für sich selbst lösen muss. Einerseits ermöglichen solche Museen Menschen, die niemals ins Meer tauchen können oder wollen, die Wunder der Meere zu erleben. Andererseits ist es verständlich, dass kritische Besucher bedenken, dass die Freiheit und der Lebensraum dieser Tiere begrenzt sind. Jeder kann und soll dazu seine eigene Meinung haben und diese äußern. Das ist wichtig und berechtigt.

Was fehlt: Das Restaurant oder Café

Nach vielen Stunden im Museum wird man natürlich hungrig und durstig. Ein großer Nachteil des Meeresmuseums, den ich jedoch schon vor der Modernisierung kannte, ist das Fehlen eines Restaurants oder Cafés. Es gibt einen großen Bereich mit Sitzgelegenheiten kurz vor dem Ausgang – spätestens dort wäre ein Imbiss das Minimum, wenn man mit Kindern unterwegs ist. Das wäre besonders für Familien sehr hilfreich. Ein kleiner Fischstand, an dem man Fischbrötchen oder Fish and Chips kaufen könnte, hätte wunderbar zum Thema des Museums gepasst. Allerdings ist dies auch ein praktisches Problem, das sich schwer lösen lässt in einem historischen Klostergebäude. Trotzdem wünsche ich mir für zukünftige Besuche, dass dieses Problem gelöst wird.

Nachgebildeter Fischverkaufsstand – „Wie kommt der Fisch auf den Teller?“

Fazit: Ein Museum voller Nostalgie und Innovation

Am Ende meines Besuchs fasse ich zusammen: Das Meeresmuseum Stralsund hat mich begeistert. Die Modernisierung war notwendig, war teuer, hat lange gedauert, aber sie hat sich gelohnt. Das Museum ist nicht nur moderner geworden, sondern auch gehaltvoller und atmosphärischer. Die neuen Aquarien sind beeindruckend, und die alten Bewohner wie das Finnwalskelett und die Schildkröten Frieda und Käte haben weiterhin ihren berechtigten Platz. Ich freue mich auf weitere Besuche mit meiner Familie und hoffe sehr, dass mein Sohn in einigen Jahren genauso positiv auf diesen Tag zurückblicken wird, wie ich auf meine Kindheitsbesuche. Für mich persönlich bleibt das Meeresmuseum immer noch das schönere Museum im Vergleich zum modernen Ozeaneum am Hafen. Es hat Charakter, Geschichte und eine gewisse Seele.

Über den Autor

Ich bin Chris, ein leidenschaftlicher Blogger, der gerne Geschichten aus Technik, Kultur und Alltag erzählt – immer mit einem Hauch Kreativität und Humor. Als IT-Administrator bringe ich fachliches Know-how ein, während meine Hobbys wie Fotografie, Drohnenfliegen und Naturerkundungen für vielseitige Perspektiven sorgen. Besonders liebe ich es, persönliche Erlebnisse und nostalgische Erinnerungen mit aktuellen Themen zu verbinden. Gemeinsam mit meiner Familie lebe ich in Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern, und teile meine Sicht auf die Welt – mal nachdenklich, mal unterhaltsam, aber immer authentisch.

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